Die Euro-Krise kehrt zurück

Noch vor vier Wochen hatte der Präsident der Europäischen Zentralbank(EZB), Mario Draghi, den Höhepunkt der Wirtschaftskrise als überschritten erklärt. Nun mehren sich die Anzeichen, dass sich die Krise wohl doch nicht so schnell verabschieden will, wie gehofft.

Ein Grund dafür sind die gestiegenen Staatsanleihen Spaniens, das sich zwar am Kapitalmarkt noch Geld leihen kann, dies aber nur zu deutlich höheren Zinsen als zuvor. Auch in den übrigen Krisenländern der Euro-Zone haben sich die Staatsanleihen wieder von ihrem Tiefpunkt entfernt. Lediglich die deutschen Staatsanleihen erreichten kürzlich einen historischen Tiefstand.

Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, vertritt die Ansicht, dass die Krise nie wirklich weg gewesen sei. Man habe sich zu früh über die milliardenschweren Hilfspakete der EZB gefreut, so Mayer. Nun folge auf die zu frühe Euphorie eine nicht abwendbare Depression.

Sein Amtskollege von der Commerzbank, Jörg Krämer, schlägt dieselbe Richtung ein. Die Schuldenkrise der EU-Staaten sei durch das billige Geld der EZB nur scheinbar gelöst worden. Nun nehme die Wirkung der Dreijahrestender ab. Weiterhin problematisch sei, so Krämer, dass Spanien sein Defizitziel für 2012 ohne Rücksprache mit der EU einseitig gekündigt habe.

Das größte Problem, welches die EU in Zukunft zu lösen hat, ist aber wohl die nicht unwahrscheinliche Wahl Francois Hollandes zum Staatsoberhaupt Frankreichs. Dieser hatte im Vorfeld der Wahl angekündigt, sich für Eurobonds einzusetzen und den EU-Fiskalpakt neu zu verhandeln. Zudem könnte das Deutsch-Französische Verhältnis gestört werden, da Merkel öffentlich Hollandes Gegner Nicolas Sarkozy unterstützte.

Schwierig wird es auch, eine Lösung zu finden, wie man eine gemeinsame Währung und unabhängige Wirtschaftspolitik hoch verschuldeter Länder miteinander vereinbart. Sollte jedes EU-Mitglied seine eigene Währung haben, könnten die Staaten Südeuropas ihre Währung abwerten um wirtschaftlich konkurrenzfähiger zu werden. So würden die Produkte der Länder billiger und ließen sich besser verkaufen. Der Vorsitzende des Münchner Ifo-Instituts Hans-Werner Sinn, bezieht sich auf Berechnungen der Bank Goldman Sachs, nach denen Portugal um 35 % billiger werden müsse, Griechenland um 20 %, Frankreich und Spanien um 20 % und Italien um mindestens 10 %, um auf dem Weltmarkt mithalten zu können.

Folglich ist das Szenario, das südeuropäische Länder mehr im- als exportieren und so der Schuldenstand im Ausland noch weiter wächst. Dies lasse das Vertrauen der Märkte noch weiter sinken, so Deutsche Bank Volkswirt Mayer. Des Weiteren würde ohne eigener Währung südeuropäischer Länder deren Bedarf nach EU-Hilfen immer weiter steigen und die Bereitschaft der wirtschaftlich solideren Staaten sinken, die Kosten für weitere Rettungsschirme zu übernehmen.

BIldquelle EZB

Oliver Stein
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